Exhibition painting

Die Shaolin-Meisterin des Irgendwie

When _9.-13.6.2009
Where _Swiss Art Awards 2009
Acryl und Kunstharz auf Pappelsperrholz

Mehrteilige Installation 6 Tafeln 252 x 185 cm, 2 Platten 42 x 58 cm, 1 Weisswandtafel

Ein Bild malen heisst, sich an einen einfühlsamen Betrachter zu wenden. Kunst im öffentlichen Raum hingegen setzt sich der ahnungslosen, der unwilligen Masse aus. Sie ist, was Planung, Umsetzung und Strukturierung betrifft, generalstabsmässig geplanter Feldzug mit dem Ziel, den (Kunst-)Feind zu überrumpeln. Wenn Anna Kanai, bekannt durch ihre Arbeiten im öffentlichen Raum, sich in die Intimität des Ateliers begibt, entwaffnet sie sich selbst. Sie, die in Fotografie und Video ausgebildete und in vielfältigen Kunstprojekten des öffentlichen Raumes erprobte Künstlerin, wird so selbst zum Einsatz: Was geschieht mit ihrem Künstlertum, wenn es sich dessen innerster Grotte, wenn es sich dem Privatraum Atelier stellt? In täglichen Protokollen hat Kanai diesen Selbstversuch zu fassen versucht – und auf riesigen Sperrholzplatten, die halb Bild, halb Protokoll sind malerisch festgehalten. Sich die Atelier-Intimität zu leisten heisst auch, vor einem Wunschtraum in die Knie zu gehen, der vielleicht in jedem Künstler des öffentlichen Raumes lauert. Und doch ist das kein Canossa-Gang, Anna Kanai will nicht lernen, was Ännchen nicht lernte. Schon eher erinnert Kanais Atelier-Experiment an ihr Projekt „storage space“, in dem sie einen containergrossen Lagerraum zum Atelier umfunktionierte. Daraus hervorgegangen ist eine Foto-Serie, doch wie die vorliegenden Bilder waren auch diese Fotografien Spuren und Indizien eines Selbstexperimentes.
Villö Huszai